Magrebinischer Pfefferminztee
Kochen Sie ca. zwei Liter Wasser auf. Verwenden Sie zum Aufgiessen eine Glas- oder Keramikkanne (keine Metallkanne).
Pflücken Sie die Blätter von ca. 5 Stängel wildem Pfefferminz (keine Teebeutel) und 2 Stängel Zitronenmelisse und geben Sie diese in die Kanne. Fügen Sie zwei Teelöffel chinesischen Concubine-Grüntee (= Recher-Variante), wenige Safranfäden und eine Zimtstange bei. Statt Concubine-Grüntee kann auch ein anderer qualitativ guter Grüntee verwendet werden.
Giessen Sie das heisse, aber nicht mehr kochende Wasser in die Kanne und süssen Sie den Tee nach eigenem Geschmack. In den Magrebstaaten wird der Tee heiss und sehr süss zu jeder Tageszeit getrunken. Es ist das typische Getränk beim Gespräch im Zelt in der Männerrunde. Der Geniesser schlürft den Tee in kleinen Schlückchen aus kleinen Tässchen.
In unseren Breitengraden schmeckt der Tee auch gekühlt vorzüglich. Nur Amerikaner würden den Tee unnötig mit Eis verdünnen. Aber man weiss, heisse Getränke löschen den Durst im Sommer besser.
Tipp: Kanne beim Eingiessen hochhalten. So vermischt sich der Tee mit genügend Luft und gibt ihm einen besonderen Geschmack.
Ich habe meine Version soeben ausprobiert. Er schmeck hervorragend, füllt die ganze Wohnung mit exotischem Duft und hinterlässt ein prickelndes Gefühl auf der Zunge.
Prost....
PS zum Thema chinesischer Grüntee: In jedem Teehaus gibt es ungefähr dreissig verschiedene Sorten Grüntee. Die bekannteste ist "Lung Ching", die wieder in fünf Klassen unterteilt wird. Tee erster Klasse ist zehnmal so teuer wie fünftklassiger. Erstklassiger Tee besteht nur aus handverlesenen jungen Blättchen. Die Bauern sammeln sie zu Beginn des Frühlings im Teegebiet Hang-shou. Dann werden sie in riesigen Trockenöfen bei schwacher Hitze langsam getrocknet. Man wendet die Blättchen von Hand. So kann man genau beurteilen, ob die Temperatur stimmt und wie trocken die Blättchen schon sind. Natürlich braucht man dazu viel Erfahrung. Wenn man Tee zubereitet, wird zunächst die Kanne mit heissem Wasser vorgewärmt. Das Wasser giesst man weg und gibt die Teeblättchen in die Kanne. Dann überbrüht man sie mit kochendem Wasser und lässt die Kanne ohne Deckel stehen. Bei gutem grünem Tee tanzen sofort alle Blätter nach oben. Wenn sie sich geöffnet haben, sinken sie langsam wieder nach unten. Die Farbe ist hellgrün. Jetzt kann man den Deckel auf die Kanne geben, um den Tee warm zu halten, nicht früher, sonst ist die Temperatur zu hoch und der spezielle frische Geschmack des jungen Tees verschwindet. Wenn der Tee wirklich gut ist, behält er bis zum dritten Aufguss seine hellgrüne Farbe. Schlechter Tee ist beim ersten Gang vielleicht dunkelgrün, beim zweiten Gang schmeckt er schon wie Leitungswasser, also nach gar nichts. Tee erster Klasse jedoch schmeckt beim zweiten Gang sogar besser, weil das Aroma dann gerade richtig ist, nicht zu stark und nicht zu schwach. Man spürt auf der Zunge und auch im Magen lange diesen angenehmen, leicht süsslichen Nachgeschmack. Aus "Die Tempelglocken von Shanghai" von Hong Li Yuan, Kapitel 4, Seite 74.